18 Nov
Die Angebote im Internet bzw. im WWW (World Wide Web) steigen von Jahr zu Jahr deutlich an. Eine Vielzahl von Informationen erleichtert heute den Alltag und ein schneller Austausch wird möglich. Auf der anderen Seite stellten Studien und Untersuchungen in den USA und Berlin heraus, dass ungefähr 10 Prozent der Internet-Nutzer bereits süchtig oder schon stark gefährdet seien. Der Psychologe Thomas Hintz vom Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit vertritt eine Theorie hierzu: „Betroffen sind vor allem junge Leute zwischen 14 und 20 Jahren. Es geht dabei zum Beispiel um Spiele, Chats oder das Spielen mit der eigenen Identität in einer virtuellen Welt“. Die Internetsucht ist vor allem ein Jugendproblem, meint Hintz. Immerhin sind ca. 4 Prozent erwachsende Singles.
Den betroffenen mangelt es zu meist an mangelnden sozialen Kontakten und einem fehlenden Selbstwertgefühl. Sogar „Offline kreisen die Gedanken um das Internet“, sagte der Mannheimer Psychologe. Die Onlinesucht trat 1996 als Begriff auf, ist jedoch noch heute stark umstritten und ist daher auch nicht offiziell in Deutschland als Krankheitsbild anerkannt. Möglich wäre es die Internetsucht in den Bereich „Impuls-Kontroll-Störungen“ einzuordnen, ähnlich wie die Spielsucht oder die Kleptomanie.
Eine junge Frau, die von der Internetsucht betroffen ist, beschreibt ihren Tagesablauf folgendermaßen: “Ich leide an Online-Sucht. Meine Familie sind Leute in einer virtuellen Kneipe, geschlafen wird kaum noch. Ich könnte ja im Internet etwas verpassen.” Ansätze von diesen Äußerungen sind auch schon bei Nichtsüchtigen Massenbenutzern des Internets zu finden. Die Nutzerin verbrachte bis zu 40 Stunden wöchentlich im Netz, der „normale“ Internetnutzer hingegen nur 4 bis 10 Stunden pro Woche. Hierbei wird sehr deutlich, dass die Betroffenen im WWW ihr Bedürfnis nach Kommunikation und Bestätigung durch Dritte befriedigen wollen. „Vielen Süchtigen ist ihre Isolation bewusst und sie leiden darunter“, stellte Thomas Hintz fest.
Eine Therapie muss für eine erfolgreiche Behandlung Alternativen zum Internet bieten und Hintergründe über die fehlenden sozialen Bedürfnisse aufdecken. Kontakte, Bestätigung, Erfolge, Sportvereine, sowie die Beteiligung an anderen Initiativen soll Abhilfe schaffen. Dabei werden häufig auch Vereinbarungen zwischen Therapeut und Patient geschlossen, die Online-Zeiten klar regeln sollen. Die Einhaltung dieser Verträge wäre der erste große Schritt zur erfolgreichen Behandlung.
Alle weiteren Informationen zur Onlinesucht sind unter www.online-sucht.de zu finden.
Foto: Harry Hautumm
Quellenhinweis: Heise.de
Kommentar hinterlassen