11 Dez
Die Kids-Hotline gehört mittlerweile seit 1999 zu den größten und aufstrebenden Onlineberatungs-stellen für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 21 Jahren. Nach außen hin sehr seriös, doch als kurzweiliger Mitarbeiter konnte ich einmal die andere Seite von der Kids-Hotline.de kennenlernen.
Liest man sich die Prinzipien der ehrenamtlichen Einrichtung durch, so scheint alles in bester Ordnung. Wenn ich heute die Prinzipien von Kids-Hotline Revue passieren lasse, bleibe ich schon beim zweiten Punkt „Akzeptierende Haltung“ stehen: „Eine akzeptierende Haltung gegenüber der Rat suchenden Person bedeutet, sie wohlwollend in ihrer Gesamtheit anzunehmen und[…] unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebensgeschichte als sinnhaft zu akzeptieren.“, heißt es hier. Ein Blick hinter die Kulissen lässt ganz neue Eindrücke und Interpretationen zu. Schon nach wenigen Minuten berieten sich die „Peer-Berater“ während eines Gruppenchats, ob die Geschichte überhaupt real sei. „Fake Fragezeichen?“, meinte einer der Berater, worauf sein Kollege kurz darauf mit „schon!“ sehr bestimmt und eindeutig antwortete. Hier wird also nicht lang gefackelt bis eine Spekulation zur Realität wird. Von „als sinnhaft akzeptieren“ kann hier nicht mehr die Rede sein.
Während der Vater des jugendlichen Mädchens im Begriff war ihre Zimmertür einzutreten, bewies das Berater-Team Gelassenheit. Kids-Hotline hat sich hohe Ziele gesetzt, doch schon bei ganz alltäglicher Zivilcourage der Mitarbeiter scheitert es kläglich und ufert bereits in „unterlassende Hilfeleistung“. Von Kompetenz und der nötigen Flexibilität in Ausnahmesituationen keine Spur.
So gehören auch ironische und sarkastische Aussagen und Witze zum Alltag der Berater. Während die häufig verzweifelten Jugendlichen ihr Problem schildern, ist das Team im „Beraterchannel“ des Öfteren damit beschäftigt sich über den Hilfesuchenden lustig zu machen. Auch hier gilt wieder, dass dies nicht nach außen gezeigt werden darf, hinter den Kulissen allerdings geduldet und gewünscht wird.
Der Punkt „Anspruch präventiver Wirkung“ sieht vor, die Jugendlichen „im Hinblick auf eigene/fremde Verhaltens- und Konsummuster zu sensibilisieren und im Sinne von Prävention und ganzheitlicher Gesundheitsförderung auf die jungen Menschen einzuwirken.“ Eine Beratung eines Jugendlichen, der droht sich in einer Fantasiewelt zu verlieren, zeigt das Gegenteil. Er bevorzugt erotische Bilder von Monstern und anderen Kreaturen und stellt sich zudem häufig vor mit diesen Monstern in einer Liebesbeziehung zu leben. Hier wäre der vorher genannte Punkt angebracht, gemeinsam einen Weg aus dieser Traumwelt zu finden. Dennoch zog es die Forenleitung vor diese Fantasien als „normal“ zu bezeichnen und den Jugendlichen zur Fortsetzung zu motivieren.
Auch ein Berater in der Probezeit bzw. der sogenannten „Testphase“ merkt schnell, woran er bei der Kids-Hotline ist. Hierbei stehen nicht die fehlerfreie und kompetente Beratung oder die Lösung der Probleme der Hilfesuchenden im Mittelpunkt, wie nach außen hin gerne behauptet wird. Vielmehr ist es die bedingungslose Unterwürfigkeit gegenüber allen übergestellten Mitgliedern der Kids-Hotline. Jegliche Äußerung von Kritik oder Zweifeln führt in der Regel zur Kündigung und wird nicht geduldet. Selbst die sogenannten „Vertrauenspersonen“ leiten jegliche Aussagen sofortig an die Leiterin der Organisation weiter. Der Berater auf Probe erfährt erst in der Kündigung, dass seine Aussagen von der Leitung negativ konnotiert wurden und als anstößig gelten. Somit ist klar, dass das „lockere und moderne“ Team der Kids-Hotline in der Organisation noch sehr konservativ auf eine strikte Hierarchie besteht.
Bei der Einhaltung von Terminen und Zeitangaben nimmt es das Team dagegen nicht so genau. Trotz vieler Mitarbeiter kann die Höchstdauer einer Antwort von 24 Stunden nur selten eingehalten werden. Oft scheint sich tagelang nichts in den Beratungen zu rühren, obwohl es viele offene Probleme und Fragen gibt. Im Bewerbungsverfahren wird den Neubewerbern auch dazu geraten nicht zu häufig zu antworten, um zu vermeiden, dass die Jugendlichen regelmäßig bei der Kids-Hotline Hilfe suchen.
Die Kids-Hotline befasst sich täglich mit vielen sehr intimen Problemen unserer heutigen Jugend. Eine Organisation, die nach einer knappen Woche ein derartiges Bild hinterlässt, wird den Anforderungen an einen solchen Services nicht gerecht. Jeder Jugendliche sollte im Voraus wissen, worauf er sich einlässt.
Foto: Kids-Hotline
14 Kommentare for "Kids-Hotline – mehr Schein als sein"
Hallo!
Klingt interessant, was Du da schreibst…
Haette ich irgendwie nicht vermutet.
Naja ich wurde auch etwas abgewuergt mit:
Können wir die Beratung denn nun schließen…?
Viele Liebe Gruesse
Anna-Lena
Ich kann nur sagen, dass ich mit der KH sehr zufrieden bin. Wer das nicht glaubt kann es ja selbst ausprobieren.
Also ich bin auch shr zufrieden. Ich kann da Johanna nur Recht geben probierts einfach aus alle da sind super nett
Ich kann euch auch nur recht geben.
Ja, die Kids-Hotline ist toll und die Berater sind auch wirklich nett und freundlich, denn sonst würden sie sich ja wohl kaum freiwillig melden und uns in ihrer Freizeit helfen.
“sonst würden sie sich ja wohl kaum freiwillig melden und uns in ihrer Freizeit helfen.”
Nicht wirklich. Vergesst bitte nicht, dass ich mich dort auch freiwillig gemeldet habe, um zu helfen und das hat auch Spaß gemacht.
Was ihr halt nicht mitbekommt als normale “Nutzer” dieser Plattform ist wie sehr man in seiner Arbeit angeleitet und gehemmt wird. Das war der Grund, weshalb die Rahmenbedingungen gar nicht so geschaffen wurden für die Mitarbeiter, dass eine optimale Beratung möglich wäre.
Dass die Mitarbeiter allesamt absichtlich schlecht beraten, würde ich nie behaupten. Sondern Problem war die Leitung der Mitarbeiter und einige Mitarbeiter, die wie oben beschrieben etwas seltsame Tipps gegeben haben oder sich halt intern über die Probleme lustig gemacht haben, wovon ihr als Nutzer ohne diesen Bericht ja niemals etwas wissen würdet.
Die Kids-Hotline fundiert auf einer sehr, sehr guten Grundidee, nur wie von der Leitung damit umgegangen wird und wie einige Mitarbeiter sich verhalten, ist fragwürdig.
Beendet wurde meine Mitarbeit, weil ich darauf bestanden habe, dass die Mitarbeiter, die sich da im Chat über die Probleme anderer lustig gemacht haben, Konsequenzen tragen. Stattdessen wurde mir vorgemacht, dass das ja bestimmt ein Missverständnis war. Da ich neu war und die anderen 3 länger dabei waren, hat man eben denen mehr vertraut.
Naja, also ich würde mal sagen, ob ein Tipp nun seltsam ist oder eher brauchbar kann man jetzt nicht so wirklich beurteilen. Das kommt immer ganz auf die Person an, ob sie damit nun was anfangen kann oder eben nicht.
Okay, mag ja auch sein, dass manche Berater manche Probleme ein wenig belächeln, aber am wichtigsten ist es doch trotzdem, dass sie das uns nicht spüren lassen und das tun sie auf gar keinen Fall. Ich komme mir immer verstanden und ernstgenommen vor.
Wenn man nun mit der Leitung nicht zufrieden ist, dann darf man halt auch nicht zum Team gehören wollen. Ich habe ja gar nichts gegen deine Ansichten, da hat sowieso jeder andere, aber deshalb die gesamte KH als schlecht und fragwürdig dastehen zu lassen…naja, ist das nicht etwas übertrieben.
Im Übrigen sollte man sich auch Kritik anhören können. Warum löschst du eig immer die Kommentare von Michaela-Lucia? Passen die dir nicht? Oder hat das ´nen anderen Grund? Darf hier nicht jeder seinen Senf zu geben?
Lg
Nun ja, ich habe in dem Bericht nie von allen Beratern gesprochen, sondern nur von denen in den Beispielen. Dass es die Kidhotline grundsätzlich angreift, ist ja klar, wenn die Leitung aus der wirklich guten Idee eben nicht annähernd das rausholt, was für eine wertschätzende Art (auch hinter dem Rücken) und eine höchst verantwortungsvolle Beratung nötig ist.
Zum Thema Meinungsfreiheit: Klar darf hier jeder schreiben, was er will und ich erlaube mir zu entscheiden, was davon “Meinung” und was “unkonstruktive Kritik” ist. Zweiteres sind für mich all jene Kommentare, die anzweifeln, ob ich denn in meinem geschriebenen Bericht die Wahrheit schreibe. Wer sich die Beispiele gründlich durchliest, weiß auch, dass die nicht von irgendwoher kommen. Es ist alles exakt so passiert und es hat niemand das Recht eine Tatsache anzuzweifeln.
Ebenso kann ich keine Kommentare gebrauchen, die zu sinnlosen Endlosdiskussionen führen, denn dafür habe ich absolut keine Zeit, was jeder Schreiber akzeptieren muss.
Also ich bin immernoch der Meinung, dass man bei der KH sehr gut beraten wird. Was sich hinter den Kulissen abspielt kann ich mir so zwar nicht vorstellen, aber ich möchte es auch nicht anzweifeln. Wichtig ist nur, dass wir als User gut beraten werden. Wenn die Berater manche Sorgen ein wenig belächeln, okay, aber sie lassen es uns jedenfalls nicht spüren.
Hmm, ich kann mich nicht dran erinnern, dass Michaela-Lucia deine Glaubwürdigkeit zu sehr angezweifelt hat. Sie hat lediglich geschrieben, dass sie sich das nicht vorstellen kann. Aber auch egal.
Da hast du vollkommen recht. Ich auch nicht. Und da wir beide jeweils bei unserer Meinung bleiben werden bringt es auch nicht viel, hier noch viel weiter zu diskutieren. Ich finde es halt nur wichtig, dass auch die andere Seite mal beleuchtet wird, denn Berater (besonders die, die rausgeflogen sind; bitte nicht persönlich nehmen) und User haben nun einmal eine andere Sichtweise. Ich fände es nämlich schade, wenn Jugendliche durch diesen Artikel verunsichert werden würden. Die Beratung bei der KH ist echt in Ordnung.
Wir können alle nicht beurteilen was hinter den Kulissen der KH abgeht aber es ist eintlich doch am wichtigsten dass sich die User dort wohlfühlen und verstanden fühlen.
Ich möchte auch nicht an deinem Beitrag zweifeln aber selbst wenn es so ist dann kann man daran nichts ändern und das wichtigste st immernoch das wir Jugendlichen da gut beraten werden
es gibt wohl keine org. oder menschen die in allem perfekt sind -ganz gleich was in den statuten steht
auf jedenfall finde ich die kids hotline super
dass die mitarbeiter über einzelne einlagen bischen schmunzeln oder witzig darüber machen find ich sogar ganz angemessen-denn das tue ich auch oft beim durchlesen-und manchmal glaub ich sogar dass das garnicht stimmt was einige da so schreiben-und einige sich auch garnicht helfen lassen wollen-denn was vorgeschlagen wird wird sofort abgeblockt von den usern
auf jedenfall fühlt sich wohl fast jeder user ernst genommen-und das ist dass wichtigste find ich
Hallo,
ich wurde selbst gerade als Peerberaterin bei der kids-hotline aufgenommen und habe ganz andere Erfahrungen gemacht als du. Ich muss zugeben, dass ich noch in keinem Beraterchannel war, weil ich den Mitarbeiterbogen noch nicht abgeschickt habe, aber dass der Umgang, den du beschreibst, dort die Regel ist, kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Auch dass man sich als Testposter unterordnen sollte habe ich nicht so erlebt. Ich habe durchaus auch meine Meinung kund getan, die teilweise auch abweichend von der Meinung der Mitarbeiter war, aber - nun ja, ich habe halt deren Meinung auch akzeptiert. Ich schrieb, dass ich zwar andere Erfahrungen gemacht habe, aber die Sichtweise nachvollziehbar finde und deshalb auch darauf achten kann.
Es mag sein, dass deine Erfahrungen mit der kids-hotline nicht so gut sind wie die vieler anderer. Aber ich finde deinen Artikel sehr verallgemeinernd. Du schließt von einmal auf immer und von dir auf alle. Das ist nicht in Ordnung. Hier in den Kommentaren betonst du immer wieder, dass du das ja nicht für alle gemeint hast, aber dein Artikel lässt es anders erscheinen. Wenn das vollständig deine eigene Meinung sein soll, dann schreib es bitte auch so, dass man das versteht.
Liebe Grüße,
Laura
Hallo Daniel,
ich habe eben Deinen Artikel über die Kids-Hotline gelesen und ich glaube Die aufs Wort was Du geschrieben hast! Warum? Weil ich auch solche Erfahrungen gemacht habe. Ich hatte mich dort vor einiger Zeit als Fachteamerin beworben und hatte auch eine Zusage. Allerdings habe ich mich hinterher dafür entschieden, doch lieber bei einer qualifizierteren Organisation zu beraten.
Mich wundert es, dass es nicht schon viel mehr Kritik an der Kids-Online gibt.
Schön mal jemanden gefunden zu haben, der nachvollziehen kann, was ich schreibe.
Vielleicht kannst du ja einmal kurz berichten, weshalb du dich gegen die Kids-Hotline entschieden hast. Wäre mal sehr interessant eine weitere Story zu hören.
http://www.kinderschutz.de/news/593
Kommentar hinterlassen