Das Treffen mit dem Nokia-Chef

Das Treffen mit dem Nokia-ChefBei einem Treffen mit der Bochumer Oberbürgermeisterin sollen sich nach den Angaben der „Bild am Sonntag“ der Ministerpräsident (CDU) und der Nokia-Gesamtbetriebsrat darauf geeinigt haben, dass die Standortserhaltung in Bochum höchste Priorität erhält. Hierfür soll das Gespräch zwischen der Ministerin Christa Thoben (CDU) und dem Nokia-Chef Kallasvuo einen hohen Anteil tragen. Aus Sicht des Konzerns stehe einer Zusammenarbeit jedenfalls nichts im Wege.

Noch einen Tag zuvor, am Sonntag den 27.01.2008, hoben die Nokia-Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung ihre Kampfbereitschaft deutlich hervor. Nichtsdestotrotz soll es in nächster Zeit keine Streiks geben, vielmehr engagieren sich der Betriebsrat und die Gewerkschaft an den Verhandlungen mit der Konzernsleitung. Dort verhandeln die beiden Parteien nicht etwa über Sozialpläne, sondern über den Erhalt des Standorts. Um der Protestaktion Nachdruck zu verleihen, ist bereits für den 10. Februar eine Menschenkette rund um das Werk geplant. Weiterhin soll ein Fragenkatalog nach Finnland versendet werden, da der Betriebsrat der Konzernführung eine Falschberechnung der anfallenden Personalkosten unterstellt und hier Aufklärung verlangt.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bot bereits seine Unterstützung für Umschulungen der Mitarbeiter an und scheint nicht mehr mit dem Erhalt des Nokia-Werks zu rechnen, die SPD hingegen gibt den Kampf nicht auf: Am heutigen Montagabend, den 28.01.2008, erwartet man den SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck zu einem „Solidaritätsparteitag“ des SPD-Unterbezirks in Bochum. Währenddessen prüft die Landesregierung, ob ein Verstoß seitens Nokias gegen die Subventionsauflagen vorliegt. Es wird vermutet, dass vom Konzern jahrelang weniger Mitarbeiter eingestellt wurden als vereinbart.

Foto: S. Hofschlaeger/Pixelio.de

Kritik-Hagel über Nokia

Kritik-Hagel über NokiaAm heutigen Dienstag, den 22. Januar 2008, entstand vor dem Bochumer Nokia-Werk, welchem die Schließung droht, eine Demonstrations- und Protestbewegung gegen Nokia. Symbolisch trugen die Demonstranten an der Front einen Sarg mit der Aufschrift „Nokia“. Im Laufe der Demonstration schlossen sich auch zahllose weitere Mitarbeiter anderer Betriebe dem Protestmarsch an.

Berthold Huber, Chef der IG Metall, forderte das Management des Handy-Herstellers zu Verhandlungen auf, drohte jedoch im gleichen Zuge mit einem Arbeitskampf, sollte der Schließungsbeschluss weiterhin bestehen bleiben. „Eine solche Auseinandersetzung wird die Marke Nokia nicht ungeschoren lassen“, meint Huber. Aber nicht nur Huber, sondern auch die IG-Metall-Bevollmächtigte Ulrike Kleinebrahm und die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach beschäftigen sich zurzeit mit dem Thema. Jedoch kamen die drei am Montag in einem Gespräch mit dem Nokia-Vorstand zu keinem Ergebnis.

Die Arbeit im Bochumer Handy-Werk wurde vorerst eingestellt, solange die Protestaktionen laufen. Neben der Belegschaft selbst zählte die Polizei 15.000 Menschen bei der Kundgebung in Bochum, unter ihnen auch Mitarbeiter des VW-Werks in Wolfsburg, Opel-Mitarbeiter aus Rüsselsheim und Ford-Leute aus Köln. Neben ihnen demonstrierten Bergleute aus Recklinghausen, Stahlarbeiter aus Duisburg, NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linken und die vollständige SPD-Landtagsfraktion, die spontan ihre Sitzung nach Bochum verlegte.

Frank Schubert, Betriebsrat bei Nokia, zeigte sich zunehmend erschüttert über die Aufruhen: „Wir bekommen täglich Gänsehaut, wenn wir sehen, wie die Menschen im Land hinter uns stehen.“ Er berichtete, dass die 19 Betriebsräte seit Tagen Sonderschichten schieben und häufig besorgte Mitarbeiter betreuen müssten. Die Demonstranten lassen sich davon nicht beirren und es solle ab dem heutigen Dienstag eine dauerhafte Mahnwache vor dem Nokiabetrieb eingerichtet werden. Dafür habe die Feuerwehr bereits ein Zelt geliefert. „Wir richten uns auf Tage, wenn nicht sogar auf Wochen ein“, kündigte Schubert an.

Foto: Markus Hein/Pixelio.de

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